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Skitouren Kurs – Lawinen – Bewegung im Wintergelände

von go-vertical, Kategorie Erlebnisse, Wandern am 28. Oktober 2015

Man muss sich nur die Zahlen der letzten Jahre ansehen und sieht das Skitouren gehen immer beliebter wird, was sehr schön ist.
Die Zahlen derer die leider ohne jegliches Vorwissen Touren angehen leider auch.
Daher will ich hier Punkte einer gelungenen Skitour ansprechen.

  • Setzt euch mit eurer Ausrüstung auseinander!
    Wie oft passiert es mir das man am Gipfel Skitouren gehen ankommen sieht, die neben der Jause auch noch das Lawinenverschütteten Suchgerät(LVS) im Rucksack haben. Ob der nun ein geschalten ist oder nicht ist nicht mehr von Belang. Der Rucksack ist bei einer Lawinenverschüttung meist nicht mehr am Körper. Und ja wenn jemand seinen Rucksack sein eigenes Leben vorzieht, dann bitte, ansonsten gehört das LVS immer am Körper getragen.

    Macht euch eine Routine bereit, wann Ihr das LVS einschaltet wann aus. ZB. mach ich das persönlich das ich schon beim einkleiden in der Unterkunft/zu Hause das LVS  umhänge und auch einschalte. Die Batterien gehören so oder so jedes Jahr gewechselt egal welchen Ladezustand, und da kommt es nicht mehr wesendlich darauf an ob das LVS die Anfahrtzeit schon eingeschalten ist oder nicht. Dafür kann es nicht mehr passieren, dass eine LVS nicht eingeschalten ist oder sogar im Rucksack verweilt.

    Soviel zu den ersten Hinweise was das LVS bzw. eure Gerätschaften angeht.
    Hier kann ich an dieser Stelle nur empfehlen, lasst es euch das Geld wert sein und macht einen Lawinen Kurs bzw. gleich gesammelt einen Skitouren Kurs!

  • Das A und O einer jeden gelungenen Skitour ist einfach die Planung davor.
    Welche Ausrichtung hat meine Tour?
    In welchem Gebiet ist meine Tour?
    Wie hoch hinauf geht meine Tour?

    Das ist nur ein kleiner Ausschnitt der Fragen die man sich stellen muss um eine geeignete Tour zu finden.
  • Einholen von profunden Informationen
    Damit eine Skitourenplanung erstellt werden kann, muss man verlässliche Informationen einholen.
    ZB. von Lawinenwarndiensten, Kartenmaterial um Ausrichtung  und auch Geländerichtung erkennen zu können.

Das ist nur eine leichter Vorgeschmack auf den Inhalt den ein Skitouren Kurs haben kann und hat überhaupt keinen Anspruch auf Vollständigkeit.
Auf dem ersten Blick mag sich das überwältigend anfühlen jedoch wenn das von Professioneller Seite erklärt und aufbereitet wird, wir das nicht zu einen muss sondern zu einem Ja Ich will noch mehr darüber wissen.

Lasst euch vermitteln und zeigen wie schön Skitouren gehen sein kann das könnte Ihr indem Ihr entweder einen Skitouren Kurs macht oder auch immer wieder eine geführte Skitour macht!

Skitouren Genuss wie er aussehen soll!

Skitouren Genuss wie er aussehen soll!

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Schrittzaehler. Pacific Crest Trail, Kapitel 33:„When we arrived at the border, our hearts burst with happiness, but they also broke.“

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 11. März 2015

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Meile 2650: Mit den ersten Schneeflocken, am 2. Oktober, erreichen Bea und ich die kanadische Grenze. Am PCT Monument fallen wir uns in die Arme, voller Freude und Stolz. Aber als wir aus dem Schutz des Waldes heraustreten und das Dröhnen des Highways immer lauter wird, überkommt mich ein seltsam trauriges Gefühl. Ein Satz, den ich in einem Logbuch gelesen habe, geht mir nicht mehr aus dem Kopf: When we arrived at the border, our hearts burst with happiness, but they also broke.

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Schrittzaehler. Pacific Crest Trail, Kapitel 32:Pack explosion beach

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 11. März 2015

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Meile 2479: Es tröpfelt. Ich sitze an einem kleinen Bach und tippe unruhig mit den Füßen hin und her. Wo ist Bea?

Ein Trail Angel hat uns heute Morgen von Skykomish zum Stevens Pass gefahren. Vor einer guten Stunde sind wir von dort aus losgelaufen: Sacred Cow, Cabooze, Trolley, Partysaver, Bea und ich.

Schon nach zehn Minuten habe ich Bea abgehängt. Bea, die mir seit Wochen voraus läuft, Bea, die sonst locker drei Meilen die Stunde läuft, lässt heute auf sich warten. Ich bin kurz davor, umzukehren. Dann biegt sie um die Ecke. Kreidebleich und zittrig setzt sie sich zu mir. Der Infekt ist noch nicht ausgestanden. Wir kehren um, zurück zum Highway.

Meile 2506: Draußen ist es schon hell. Ich liege in meinem Zelt und lausche dem Regen. Nachdem Bea eine Mitfahrgelegenheit vom Stevens Pass zurück nach Skykomish bekommen hat, bin ich alleine zurück auf den trail. Seitdem regnet es Bindfäden. Ich taste nach meiner Hose. Klamm. Meine Jacke. Feucht. Socken. Naß. Ersatzgarnitur? Haben through-hiker nicht. Ich seufze. Widerwillig streife ich die nassen Sachen über. Regen hin oder her – höchste Zeit, aufzubrechen: In vier Tagen wollen Bea und ich uns am Highway am Rainy Pass wiedertreffen. 90 Meilen von hier. Ich muss weiter.

Meile 2512: Cabooze und Sacred Cow zelten am Wegesrand. Es ist elf Uhr vormittags. Cabooze ist gefrustet. „Wir warten noch ein bisschen ab, ob der Regen aufhört.“

Meile 2516: Nachmittags laufe ich an Trolleys und Partysavers Tarp-Tents vorbei. „There`s some lazy hikers“ schimpfe ich neidisch, weil die beiden im Trockenen sind. Trolley lacht: „Ich bin heute nacht um zwei aufgewacht. Mein Zelt wurde überflutet. Alles stand unter Wasser. Also haben wir zusammengepackt und sind die Nacht durchgelaufen.“ Warum hat er trotzdem so gute Laune? Trolley hat irgendwie immer gute Laune. Ich nicht.

Meile 2520: Regen peitscht mir ins Gesicht. Ich wate durch eiskaltes Wasser. Der komplette trail ist überflutet. Dann fängt es an zu hageln.

Meile 2527: Wie wir in der Wüste um Wasser gebettelt haben. Wie wir gefleht haben, es möge regnen und nie wieder aufhören. Wir Narren.

Meile 2529: Ich bin nass bis auf die Haut, meine Finger sind steif vor Kälte und ich zittere wie Espenlaub. Immer wieder rutsche ich auf dem lehmigen Untergrund aus. Als ich gerade in Tränen ausbrechen will, weil ich mich so einsam und verlassen fühle, raschelt es hinter mir. „Lapdog, you all right?“ Scenic, in zwei riesige, schwarze Müllsäcke eingehüllt, holt mich ein. Dicht hinter ihm folgt Canthike55. Ich schlucke meine Tränen hinunter. Laut fluchend laufen wir weiter.  Eine Weile später gabeln wir noch Slomo auf, der auch ziemlich mitgenommen aussieht.

Meile 2531: Im Gehen fahre ich mit der Hand unter den Regenschutz meines Rucksacks und fühle den Stoff. Pitschnass. „Hast du deinen Schlafsack in eine Tüte gepackt?“ fragt Scenic besorgt. Damn it. Ich habe gar nicht daran gedacht, Plastiktüten mitzunehmen. Das wird übel heute Nacht. Doch Ritter Scenic in seiner Mülltüten-Rüstung rettet mich: aus den Tiefen seines Rucksacks zaubert er noch einen riesigen, schwarzen Sack hervor und überreicht ihn mir feierlich. Ich bin gerührt. Dieser Müllsack ist wohl mit Abstand das schönste Geschenk, das mir jemals jemand gemacht hat.

Meile 2541: Als Scenic, 55, Slomo und ich am vierten Morgen in aller Frühe aus unseren Zelten kriechen, reißen die Wolken auf. Theatralisch wie eine eitle Hollywood-Diva feiert die Sonne ihr Comeback, schwebt als glühendroter Feuerball hinter den Bergen hervor und setzt den Himmel in Flammen.

Meile 2546: Zum dritten Mal kramt Slomo seine Karte aus der Tasche und studiert sie intensiv. Irgendwo hier zweigt der „Old PCT“ ab, eine Abkürzung, die uns fünf Meilen spart. Falls wir sie finden. Seit einer Viertelstunde drehen Slomo und ich uns nun schon ratlos im Kreis. Der Trampelpfad rechts endet nach einigen Metern im Gestrüpp. Links von uns fließt ein Fluss, am anderen Ufer wuchert undurchdringlicher Urwald. Moment mal. Ich kneife die Augen zusammen. „Slomo?“ Er sieht es auch: eine Steinmarkierung. Der trail führt mitten durch den Fluß.

Meile 2547: Der Wald hat den „Old PCT“ schon vor sehr langer Zeit zurückerobert. Wir stolpern über versteckte Wurzeln, schliddern über lehmige Grasnarben, quälen uns über glitschige, moosbewachsene Baumstämme und kriechen unter verschlungenen Ästen hindurch. Riesige Farne und zarte Baumsprösslinge sprießen aus dem Boden. Ehrfürchtig blicke ich hinauf zu den mächtigen Baumkronen. Ein paar vorwitzige Sonnenstrahlen dringen vereinzelt durch das grüne Dach.  Zwischen den  Ästen hängen kunstvoll gewobene Spinnennetze, groß wie Suppenteller.

Meile 2553: Unvermittelt endet der Urwald und wir finden uns auf einem weiten Strand wieder. Vor uns tost ein breiter Fluß. Während wir nach einer sicheren Furt  Ausschau halten, brechen Scenic und 55 aus dem Gebüsch. Dann tönt aus dem Wald ein Jagdhorn: Cabooze und Sacred Cow sind im Anmarsch. Nachdem wir gemeinsam einen Baumstamm für die Flußüberquerung und ein sonniges Plätzchen für die Mittagspause ausgemacht haben, tauchen als letztes Trolley und Partysaver auf. Unsere kleine Lunch-Gesellschaft ist komplett. Wir lümmeln uns auf die Felsen und sofort entsteht ein reger Handel: Tortillas gegen Müsliriegel, Erdnussbutter gegen Beef Jerky, Chips gegen Gummibärchen. Die Sonne scheint uns ins Gesicht und als unsere kalten Glieder auftauen, schließen wir einer nach dem anderen unseren Frieden mit der launischen Natur. Wir sind schließlich nicht nachtragend.

Nach dem Essen breiten wir unsere Ausrüstung zum Trocknen aus. Der Strand ist übersät von nassen Socken, dreckigen Shirts und klammen Schlafsäcken. Trolley lässt seinen Blick über das Chaos schweifen und erklärt, mit Pathos in der Stimme: „Hereby I name this unknown, beautiful place: Welcome, everyone,  to Pack Explosion Beach.“

Meile 2599: Am Rainy Pass wartet Bea auf mich. Und trail magic: ein Ehepaar aus Seattle kocht warmen Kakao. Wie gut das tut. Es ist kalt geworden und die Wettervorhersage kündigt Schnee an.  Noch drei Tagesetappen bis Manning Park, Kanada.

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Schrittzaehler. Pacific Crest Trail, Kapitel 31:So close, but so far away

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 11. März 2015

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Meile 2397: Bea sitzt am Wegesrand und wartet auf mich. Erschöpft lasse ich mich fallen. „Wie weit?“ frage ich. „Vier Meilen.“ Ich stöhne. Wir sind auf dem Weg zum Snoqualmie Pass, dort kreuzt der trail einen highway. Unser nächster „town stop“ ist eine Autobahnraststätte. „Kurze Pause?“ frage ich. Bea nickt.

Es war ein langer Weg bis hierher. Ich fühle mich ausgelaugt und kraftlos. Aber wir sind fast am Ziel, in zwei Wochen sind wir in Kanada. Endlich. Endlich jede Nacht in einem warmen Bett schlafen. Jeden Tag duschen und eine warme Mahlzeit essen. Nie wieder Müsliriegel und Tortillas. Nie wieder schmerzende Füße und nasse Socken. Nie wieder nachts vom Airpad rollen, weil das Zelt am Hang steht. Nie wieder zelten. Nie wieder zum leisen Gesang des Waldes einschlafen. Nie wieder beim Frühstück zusehen, wie die ersten Sonnenstrahlen zwischen den Baumkronen funkeln. Nie wieder Gipfelglühen am Nachmittag. Nie wieder Gipfel! Kein weiter Himmel, kein weites Land mehr! Keine neugierigen Rehe, vorwitzigen Chipmunks und übereifrigen Kolibris. Kein rosa Plastikflamingo, der aus Mary Poppins Rucksack lugt. Kein Mary Poppins. Kein Uberdude. Kein Trolley.  Kein Birdbath, der im Gehen ganze Gedichtbände liest. Kein Sacred Cow, dem die Vögel aus der Hand fressen. Kein Ninja, der versucht, mich vom trail zu schubsen. Kein Whisky, der mich Huckepack trägt. Kein Blue, der seinen Bourbon mit uns teilt. Kein Stomper, der alleine eine Partypizza verdrückt und dann französisch näselnd feststellt „Now, I am ´appy“. Kein Gil. Keine Hugs. Keine Pockets. Keine Pippin. Überhaupt gar keiner mehr.

Meile 2401: Bea will kein Frühstück! Kreidebleich lugt sie unter der Bettdecke vor und schüttelt den Kopf. „Mir geht’s nicht gut“ flüstert sie. Also bleibt sie im Hotelzimmer. Und während ich im „Summit Inn Pancake House“ sechs Pfannkuchen mit Sahne herunterschlinge, pendelt sie schwankend zwischen Badezimmer und Bett hin und her.

Nach dem Frühstück gehe ich einkaufen. Im Tankstellen-Shop. Auf dem Gehweg vor dem Laden sitzen Appache, Pacman, Mary Poppins, Cabooze, Sacred Cow, Stomper, Sindbad und Birdbath. Alle haben schon aus dem Hotel ausgecheckt, aber keiner hat Lust aufzubrechen. Vielleicht sind sie genauso ausgelaugt wie wir, vielleicht wollen sie das Ende der Reise hinauszögern. Ich setze mich dazu. „Wo ist Detour?“ „Krank“ sage ich „Wir bleiben hier, bis es ihr besser geht.“ „Oh nein, die Arme. Und euer Zeitplan?“ Ich zucke die Schultern. In genau 20 Tagen, am 5. Oktober, fliegen wir nach Deutschland zurück. An dem Tag, an dem unser sechsmonatiges Besuchervisum ausläuft. Verlängerung ausgeschlossen.

Ich ziehe mein Smartphone aus der Tasche und tippe Zahlen in den Rechner: 260 Meilen geteilt durch 25 Meilen pro Tag macht 12 Tage von hier bis Kanada. Plus zwei Tage für resupply-stops und ein Tag für die Fahrt zum Flughafen nach Seattle: 15 Tage –schaffen wir. Wenn wir unser Tempo halten. Aber vor uns liegen die Northern Cascades, einer der schwierigsten Abschnitte des PCT, Hochgebirgs-Terrain mit vielen Anstiegen. Ich tippe wieder. 260 durch 20 plus 2 plus 1 gleich 16 Tage. Das Wetter kann hier Ende September jederzeit umschlagen. Sollte es schneien, schaffen wir im Gebirge keine 20 Meilen pro Tag. Also noch einmal von vorne: 260 durch 15 plus 2 plus 1 gleich: 20,3333.  „Du siehst auch ein bisschen blass aus. Willst du einen Schluck Whisky?“ fragt Poppins. Ich nicke.

Meile 2476: Auch heute Morgen ging es Bea noch nicht besser. Da saßen wir nun. An einer Autobahnraststätte irgendwo in Washington, meilenweit entfernt von der nächsten Arztpraxis. Auf der Suche nach einer Mitfahrgelegenheit haben wir auf facebook um Hilfe gebeten. Keine fünf Minuten später antwortete Tentmonster „ich fahre euch“. Wir haben Tentmonster in Südkalifornien kennengelernt. Er ist 1000 Meilen auf dem PCT gewandert, dann ist er zurück nach Hause gefahren, hierher nach Washington. Er fährt uns zum Arzt und weiter bis nach Skykomish, einer winzigen Stadt 60 Meilen trailaufwärts.

Der Arzt hat Bea Antibiotika und mehrere Tage Ruhe verschrieben. Also machen wir in Skykomish Station bei den Dinsmores. Andrea Dinsmore beherbergt seit 11 Jahren PCT hiker auf ihrem großen Grundstück. Die Garage hat sie zum hiker dorm  mit  Stockbetten, Sesseln und Fernseher umfunktioniert. Es gibt eine Waschmaschine, eine warme Dusche und eine gute Seele, die sich um kranke hiker kümmert.

Jemand hat eine Videokassette in den antiken Fernseher der Dinsmores geschoben. Während ich Ghostbusters schaue,  hadere ich mit mir,  weil ich die 60 Meilen trail von Snoqualmie bis Skykomish ausgelassen habe.

Meile 2470: Meine Geschichte nimmt eine neue Richtung. Ich laufe südwärts. Alleine. Zurück zum Snoqualmie Pass, während Bea in Skykomish ihren Infekt auskuriert.

Meile 2460: Die ersten, die mir am Nachmittag entgegen kommen sind Mary Poppins und Sindbad. „What the f…“ sagt Poppins als er mich entdeckt. „I am going back to Mexico“ rufe ich ihm zu und er lacht.

Meile 2455: Es dämmert. Pacman bemerkt mich erst, als ich vor ihm stehe. „What the f…“ sagt er. Ich verrate ihm, dass Poppins und Sindbad ungefähr zehn Meilen voraus sind und heute noch bis zum Highway wollen. Dass Poppins und Sindbad die Etappe als Erste beenden, kratzt gewaltig an seinem Hiker-Ego. Hinter Pacman taucht Apache aus der Dunkelheit auf. Apache hat keine Zeit, „What the f…“  zu sagen, denn obwohl er heute schon dreißig Meilen gemacht hat, hat sein Kumpel Pacman noch Großes vor: „Apache, los weiter, wir müssen Poppins und Sindbad einholen. Heute noch!“

Meile 2430: Heute ist mein 36. Geburtstag. Ich bekomme: einen makellos blauen Himmel, einen glasklaren Gebirgsbach, leuchtendrotes Herbstlaub und ein unvergessliches Gipfelpanorama.

Meile 2402: Eine Meile vor dem Highway fängt es an zu regnen. Bis ich am Pancake House ankomme, bin ich pitschnass, aber glücklich. Bea hat in Skykomish einen Fahrer organsiert, und eine Portion Pfannkuchen später holen die beiden mich ab.

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Schrittzaehler. Pacific Crest Trail, Kapitel 30:Hiker Trash

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 11. März 2015

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Meile 2180: Moosbewachsene Äste hängen über dem Trail, der Boden ist überwuchert mit ausladenden Farnen.  Eine Orgie in Grün.  Mittendrin sitzt ein Grüppchen von PCT Wanderern. Ein zerlumpter, sonnengegerbter Haufen sind wir. „Hikertrash“  sagen die Amerikaner scherzhaft: Wir leben im Wald, schlafen wo immer es uns gefällt, duschen  nur manchmal, besitzen bloß eine Unterhose und keinen Kamm. Unsere Freunde heißen  „Tentmonster“, „Happy Nomad“, „Big Dirty“ oder „Reverend Blister“ und tragen Bärte biblischen Ausmaßes. Wir essen Erdnussbutter direkt aus dem Glas aber nehmen trotzdem ab.  Wir laufen locker 25 Meilen am Tag. Wir haben Waden aus Stahl und Oberschenkel aus Granit.  „2000 Meilen in nur fünf Monaten — ich bin eine Top-Athletin! Würdest du mir jetzt bitte aufhelfen?“ Ein Mädchen aus unserer Runde streckt ihrer Freundin auffordernd die Hand entgegen. Wir schmunzeln verständnisvoll. Unsere Knie und Gelenke machen schlapp. Unsere  Füße leiden.  Wir spüren jeden einzelnen Meter, der hinter uns liegt. Aber wir sind in der Form unseres Lebens.

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Schrittzaehler. Pacific Crest Trail, Kapitel 29:Small state, big miles

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 11. März 2015

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Meile 2155: In Oregon ziehen wir Siebenmeilenstiefel an. 450 Meilen in knapp drei Wochen. Durch schattige Wälder, vorbei an verträumten Seen und schneebedeckten Vulkanen, einatmen, ausatmen, rechter Fuß, linker Fuß. Wie in Trance legen wir Tag für Tag Distanzen von weit über 20 Meilen zurück. Unseren persönlichen Rekord stellen wir auf dem Weg zur Timberline Lodge auf: Um am nächsten Tag rechtzeitig zum berühmten All-You-Can-Eat- Mittagsbuffet in der Skihütte am Mount Hood zu sein, legen wir einen 30-Meilen-Tag ein. In strömendem Regen kommen wir an. Wisdom  döst vor dem Kamin: er ist um zwei Uhr nachts aufgestanden und ohne zu schlafen 50 Meilen bis zur Lodge gelaufen.

Das Buffet war tatsächlich unbeschreiblich gut. Wir sind dann noch zum Frühstück geblieben.

Vor uns strömt der gewaltige Columbia River. Wir haben Oregon Unrecht getan. Man sollte drei Monate hier verbringen. Oder ein Leben: Eremit werden, ein Zelt am Diamond Lake aufschlagen, morgens zuschauen wie der Nebelvorhang sich lichtet und den schneegekrönten Mount Thielsen enthüllt, mittags dem leisen Säuseln der Tannen lauschen und abends den Himmel erröten sehen – meine Tage in Oregon wären voll. Chance vertan. Am anderen Ufer des Columbia Rivers liegt Washington. Es ist Anfang September und die ersten Ahornblätter leuchten alarmrot. Wir müssen weiter, der Winter kommt früh hier oben im Pacific Northwest.

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Schrittzaehler. Pacific Crest Trail, Kapitel 28:Goodbye, California

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 11. März 2015

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Meile 1662: Auf nach Oregon! Hochmotiviert verlassen wir Seiad Valley. Morgen nachmittag werden wir Kalifornien hinter uns lassen.

Meile 1670: Mit einer ordentlichen Portion Pfannkuchen im Bauch sind 4.500 Fuß Steigung ein Klacks. Erst nach neun Meilen halte ich zum ersten Mal an. Und merke, dass ich zwei Wasserstellen verpasst habe.

Meile 1672: In der braunen, dickflüssigen Brühe schwimmen Kuhfladen. Unzählige Fliegen sitzen auf der Wasseroberfläche. Bea und ich schauen uns an und schütteln den Kopf. Nach über 1600 Meilen gehen wir das erste Mal durstig an einer Wasserstelle vorbei. Das trinken wir nicht. Filter hin oder her.

Meile 1674: Glück gehabt:  Kühles, klares Wasser perlt aus einem Rohr unterhalb des trails. „Seasonal spring“ stand in unserer GPS-App –  eine Quelle, die nicht das ganze Jahr über verlässlich ist.

Meile 1681: Wir campen auf einem Plateau. Unsere letzte Nacht in Kalifornien. Unten im Tal hängt hartnäckig der Rauch. Hier oben ist die Luft klar und frisch. Ich lasse meinen Blick zurück schweifen über die Bergkuppen.  Und bin nur ein kleines bisschen wehmütig.

Meile 1698: „Welcome to Oregon“  steht auf einer vom Wetter ausgeblichenen Holztafel. Darunter sitzen Blue und Bea. Blue gibt Bourbon aus, zur Feier des Tages. „In Oregon gibt es keine Berge.“ „In Oregon ist es kühl.“ „Aber nicht kalt.“ „Und alle paar Meilen gibt es Wasser.“ Wir geraten ins Schwärmen. „Everything will be better in Oregon“ schreiben wir in das „trail register“, das kleine abgewetzte Heft, dass am Grenzpfeiler ausliegt, und:  „Lapdog and Detour. 8/6/14“

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Schrittzaehler. Pacific Crest Trail, Kapitel 27:The trail, deserted.

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 11. März 2015

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Meile 1612: Wir haben das morgendliche Update des fire reports abgewartet und mit dem Ranger gesprochen. Danach haben wir uns entschieden: Wir gehen am Etna Summit, 10 Meilen nördlich von Etna,  zurück auf den trail. Bis zu dem kleinen Ort Seiad Valley kommen wir auf jeden Fall durch. Wie es danach weitergeht, wissen wir noch nicht. Wenn die Brände zu dicht am trail sind, müssen wir die 60 Meilen von Seiad Valley bis Ashland an der Straße entlanglaufen. Am  Etna Summit angekommen, können wir mehrere Brandherde ausmachen.

Meile 1620: „Spring schon rein!“ Mr. JT steht am Ufer des Fisher Lake und starrt angewidert ins Wasser. Seine zwei Freunde sind schon bis zur Mitte des Sees geschwommen. „Salamander“ schnaubt Mr. JT und schüttelt sich „Überall“. Neugierig beugen wir uns übers Seeufer: Knapp unter der Wasseroberfläche tummeln sich hunderte, winzige pechschwarze Tierchen. Ich strecke meine Hand  ins Wasser und verursache eine Massenpanik.

Meile 1622: Die Sonne trägt immer noch einen dichten Rauchschleier. Steht ihr – sie brennt nämlich nicht so unbarmherzig wie sonst. Zufrieden summe ich vor mich hin. Der trail ist gesäumt von dutzenden blauen und gelben Wildblumen.

Meile 1632: Mittags. Das Licht ist gedämpft. Als ob jemand die Jalousien heruntergelassen hätte. Am Wegesrand steht ein Reh und glotzt mich verwundert an. Ansonsten ist der trail wie ausgestorben.

Meile 1635: Nachmittags erreichen wir Paradise Lake und füllen unsere Trinkflaschen. Eigenartig, wie grün und undurchdringlich der See daliegt. Ein paar schläfrige Wellen schwappen heran, dann ist alles  wieder still. Milchig-grauer Dunst hängt über dem Wasser. Am gegenüberliegenden Ufer erahnen wir schemenhaft die Umrisse eines felsigen Abhangs. Ein mächtiger Zauberer ist kurz vor uns hier durchgekommen, fantasiere ich, und hat den See in seinen Dornröschenschlaf versetzt.

Meile 1662:  „Das ist noch gar nichts…“ winkt der dicke Trucker im Seiad Valley Cafe ab. „Letztes Jahr war hier so viel Rauch, da konntest du nicht bis auf die andere Straßenseite schauen.“

In dem kleinen Ort Seiad Valley treffen wir  auf den ersten „South Bounder“:  Bob wandert von Kanada nach Mexiko. „Keine Feuer auf dem trail zwischen hier und Ashland“ lautet sein Lagebericht. Auf der abgewetzten Hollywoodschaukel des Campingplatzes lümmelt auch Hot Pants. Er ist „North Bounder“ – normalerweise. „Ich bin von Seiad Valley nach Ashland getrampt, wegen den Feuern. Aber als ich dann dort war, fühlte ich mich total schlecht, weil ich eine Etappe ausgelassen habe.  Also bin ich einfach von Ashland die 60 Meilen südwärts bis hierher zurückgelaufen…“ Morgen will er zurück nach Ashland trampen und dann weiter nordwärts wandern. Eins weiß er aber noch nicht: Die Autostraße, die aus Seyad Valley herausführt, ist inzwischen für den Durchgangsverkehr gesperrt – fire season. Ihm fällt was ein, da bin ich sicher.

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Schrittzaehler. Pacific Crest Trail, Kapitel 26:„The whole trail is on fire. You can all go home now.“

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 11. März 2015

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Meile 1518: Wie auf einer Herzstromkurve ragen die scharf gezackten Felsen von Castle Crags vor uns auf. Am Himmel brauen sich dunkle Wolken zusammen. In der Ferne zucken Blitze.

Meile 1530: „Hast du es auch schon gehört?“ Ich schüttele den Kopf. „Es heißt, der Wald brennt. Irgendwo kurz vor Etna.“ „Dann müssen wir umkehren?“ Der Andere zuckt mit den Schultern.

Meile 1535: Rauchsäulen am Horizont.  Wir fühlen uns hilflos, ohne Radioempfang und Handynetz.

Meile 1540: Auf einem Hügel haben wir dann doch Netz und checken den „California Wildfire Report“: In den letzten Tagen hat der Blitz in Nordkalifornien über 300 Mal eingeschlagen. Doch die Brände sind noch 40 Meilen nördlich von uns. Zwischen uns und dem Feuer, weniger als zwei Tagesetappen von hier, liegt Highway 3. Unser Notausgang.

Meile 1545: Rauch liegt in der Luft.  Was wenn der Wind die Feuer in Richtung trail treibt? Was wenn weitere Gewitter aufziehen, bevor wir den Highway erreichen?

Meile 1554: Zwei Frauen kommen mir entgegen. „SAR“ – „Search and Rescue“ lese ich auf ihren orangenen Westen. Ob wir einen älteren Herrn ohne Rucksack gesehen haben? Ein Wanderer ist von einer Tagestour nicht zurückgekommen. Ich schüttele den Kopf.

Meile 1559: Wir sind sieben Meilen vom Highway entfernt, als plötzlich etwas passiert. Die Farben verändern sich, ein dumpfer, orangener Film überzieht die Welt. Scharfer Rauch beißt uns in der Lunge. Dann regnet es Asche.

Meile 1566: Am Highway 3 steht ein Polizeiwagen. Mehrere Männer und Frauen sitzen ein wenig entfernt unter einem Pavillon.  Dichte Rauchschwaden hängen über der  provisorischen Einsatzzentrale der Search and Rescue Mannschaft. Gerade verlässt ein älteres Ehepaar die Gruppe und steigt in einen SUV. Bea streckt ihnen ihren Daumen entgegen und wir haben Glück: Die beiden fahren uns ins 20 Meilen entfernte Etna. Ich steige ein und kurbel schnell das Autofenster hinauf. Die Luft draußen schmeckt bitter nach Qualm. Die Berge sind rauchverhangen.  Ob sie den Vermissten gefunden haben, frage ich die Frau. Sie schüttelt den Kopf. Am Straßenrand sehen wir Bandit und Cancan. Sie haben Tücher vors Gesicht gepresst und laufen mit gesenktem Kopf Richtung Etna.

Etna: Eine Menge dubioser Gestalten tummelt sich in der Etna Brewery.  Müffelnde Männer und ungekämmte Frauen. Style Code: Vollbart, Funktionshirt, Shorts und Trailrunner. Gestrandete hiker. Einige sitzen schon seit Tagen hier fest, andere sind, wie wir, heute erst angekommen. Alle reden durcheinander. Heute Morgen gab es eine Explosion im Wald kurz hinter dem Highway 3, erfahren wir.  Aber das ist nicht alles – die Feuer sind überall: Kalifornien brennt.  Oregon brennt. Washington steht in Flammen. Wir sind unter den Letzten, die zu Fuß bis hierher durchgekommen sind. Der Forest Service hat weite Strecken des PCT gesperrt. Nördlich von Etna ist der trail noch offen, trotzdem herrscht Ratlosigkeit. Einige Beunruhigte beschließen, 120 Meilen weiter nach Norden zu trampen und erst in Ashland wieder zurück auf den trail zu gehen. Auf Facebook schreibt jemand: „The whole trail is on fire. You can all go home now.“

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Schrittzaehler. Pacific Crest Trail, Kapitel 25:Town traps

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 11. März 2015

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Meile 1478: Wir sitzen an einer kleinen Quelle und schwatzen. Bandit will uns überreden, in zwei Tagen in den kleinen Ort Mount Shasta zu fahren. Cancan und Überdude feiern dort ihren Geburtstag. Ich seufze. Nordkalifornien hat uns mürbe gemacht. Die Hitze ist unerträglich, die Landschaft sonnenverbrannt und eintönig. Unsere Wander-Motivation ist am Tiefpunkt. Wir häufen immer mehr „Neros“, und „Zeros“ an. Tage, an denen wir den trail schwänzen. Sierra City, Belden, Chester, Burney: wir bleiben an der Zivilisation kleben wie Schmeißfliegen am Honig.

Wir alle sind müde. Max schreibt auf facebook: „When your favorite hobby starts to feel too much like a job and you’re just not enjoying yourself, it’s time to throw in the towel.“ Immer öfter hören wir von Bekannten, die abrechen: Tentmonster bekommt Giardia und fährt von Mammoth Lakes, bei Meile 900, nach Hause. Terrible und Horrible hören irgendwo nach den Sierras auf – Knieprobleme. Back-Up und Waterfall kommen bis zum Halfway-Marker. Ich glaube, sie hatten Heimweh. Chimney Sweep hat ein Jobangebot bekommen und verlässt den trail in Ashland.

Noch denken wir nicht ans Aufgeben. Aber wir rechnen: Es ist jetzt Ende Juli – wieviele Tage bleiben uns noch, bevor unser Visum ausläuft? Und wieviel Meilen sind es noch bis Kanada? Die Bilanz ist alles andere als rosig.

Also schüttele ich den Kopf und sage entschlossen zu Bandit: „No. We`ve got to move on! We are walking straight on to the next town. Straight to Etna.“ Sie zieht eine trotzige Schnute. „But all the cool kids will go to Shasta.“

Meile 1506: Shasta. Unser Hotel hat einen Whirl-Pool. Im Zimmer steht ein 30-Zoll-Flachbildfernseher. Ich schalte die Klimaanlage an und lehne mich in die weichen Kissen meines Kingsize-Betts zurück. Bandit hatte Recht, das hier ist verdammt cool.

Morgen trampen wir in aller Frühe zurück zum trail. Ganz sicher.

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