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Schrittzaehler: Pacific Crest Trail, Kapitel 5: Freedom

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 27. April 2014

IMG_2014042611573Meile 106: Nur noch vier Meilen bis Warner Springs. Dort wartet im Community Center ein warmes Mittagessen, eine Dusche und eine Waschmaschine. Nur vier Meilen. Wenn nur meine Fuesse nicht so schmerzen wuerden. Vielleicht war ich doch noch nicht reif fuer eine 24 Meilen Tages-Etappe? Wir laufen durch einen weiten, gruenen Talkessel, vorbei an riesigen, bizzar geformten Felsskulpturen. Ich gehe im Schneckentempo, ergebe mich dem Schmerz. Auf einmal wird es mir bewusst: egal, wie langsam oder schnell wir vorankommen – ich werde das naechste halbe Jahr hier draussen verbringen, inmitten dieser großartigen Landschaft. Ich muss nichts tun, ausser laufen, laufen, laufen. Und obwohl jeder Schritt wehtut,  fuehle ich mich frei und leicht und gluecklich. Leise summe ich vor mich hin “Freedom is just another word, for nothing left to loose…”Gute, alte Janis Joplin.  Ich schaue mich um. Keiner weit und breit. Also singe ich lautstark und fuerchterlich falsch “Freedom s just another word for nothing left to loose… I MEAN NOTHING HONEY…” Als wir eine Stunde spaeter in Warner Springs ankommen, merke ich, dass mein Sonnenhut weg ist…

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Schrittzaehler: Pacific Crest Trail, Kapitel 5: Detour and Lapdog

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 27. April 2014

IMG_2014042637838Mile 53: Die Aussicht raubt mir den Atem. Der “Desert View Trail” fuehrt uns aus Mount Laguna hinaus. Stundenlang folgen wir einem schmalen Pfad, der an der Flanke des Bergs klebt. Unter uns liegt weites Niemandsland, eine wueste Huegellandschaft, die bis zum Horizont reicht.

Mile 70: Es geht abwaerts. Mit jedem Hoehenmeter, so scheint es, wird es wieder ein Grad waermer. Alle paar Meilen haben fleissige trail angel Wasservorraete fuer die Wanderer gelagert. Wo ein solcher water cache zu finden ist steht online im “PCT Water report”. Wo wir uns befinden verraet uns auf den Meter genau die “Halfmile App”, ein GPS gestuetzte Navigationssystem fuer Smartphones. Ein PCT-Veteran hat die App entwickelt und stellt sie allen Wanderern kostenlos zur Verfuegung. Wir sind dankbar fuer soviel Unterstuetzung.

Mile 75: Nur noch zwei Meilen bis zum naechsten Water Cache bei Sissors Crossing. Doch die haben es in sich. In der prallen Mittagssonne durchqueren wir ein langezogene Talsenke. Schatten sucht man hier vergebens. Ich habe eine Blase. Beas Fuesse sind so geschwollen, dass die Wandersschuhe ueberall druecken. Wir singen ” I am on a highway to hell” und finden es total bescheuert, von  Mexiko nach Kanada zu wandern.

Mile 77: Bei Sissors Crossing kreuzt der PCT erneut den Highway. Der water cache befindet sich unter einer Bruecke. Als wir ankommen, sitzen bereits zehn weitere hiker im Schatten der Betonpfeiler. Einige von uns beschliessen, ins 12 Meilen entfernte Julian zu trampen um unsere  Lebensmittelvorraete aufzustocken. Ausserdem bekommen PCT-Hiker in “Moms” Restaurant eine kostenlose Portion apple pie mit Vanilleeis. Zu fuenft stehen wir am Strassenrand. Ein fragwuerdiges Unterfangen. Wir ernten Schulterzucken, Ausweichmanoever und grimmige Blicke. Ein Typ in einem weissen Honda Civic lacht schallend, als er an uns vorbeiffaehrt. Fuenf Minuten spaeter kommt er wieder zurueck, wendet und haelt an. “Ihr seit ganz schoen viele”, sagt er und kratzt sich am Kopf. Wildes Durcheinanderrufen: “Quatsch, das geht schon.”…”Wir brauchen nicht viel Platz.” “Ich bin sowieso ganz klein.” Zwischen Golfausruestung und Angelzubehoer quetschen wir unsere Rucksaecke. “Well ladies,I am sorry, but I guess that means sitting on laps for you.” sagt der juengste unserer neuen Wanderfreunde, ein rothaariger Bengel aus Tenesse, mit leuchtenden Augen. Ich setze mich auf Beas Schoss. Tenesse muss seinen Rucksack auf den Knien balancieren. Alle fuenf Hiker sind untergebracht und die Autotueren lassen sich sogar noch schliessen. Ganz schoen geraeumig, so ein Honda.Wir sind abfahrbereit. “Uagh. You smell.” Unser Fahrer ruempft die Nase und oeffnet alle Fenster. “Also, was seit ihr denn fuer ein Haufen? Woher kennt ihr euch denn?” “Ach”, sage ich froehlich, “Eigentlich kennen wir uns gar nicht richtig. Wir haben uns nur zufällig unter der Bruecke getroffen.” Oh. Irgendwie hoert sich das komisch an.

Mile 77: Wir campen unter der Bruecke, traege von Moms Apfelkuchen. Wir wollen den nachsten steilen Anstieg erst im Morgengrauen angehen. Eigentlich ist es ganz nett hier am Highway: es gibt Wasser, Schatten und eine Menge alte und neue Bekannte tauchen auf. Die zwei Jungs aus Ohio kommen gegen abend an – seit Meile 22 waren sie wie von der Bildflaeche verschwunden. Ausserdem treffen wir ein Paerchen wieder, das  wir in Daves Laden in Mount Laguna kennengelernt haben. Wie aus dem Nichts waechst bei Einbruch der Dunkelheit eine kleine Zeltstadt am Rande des Highways empor. Nachts heulen die Koyoten, beleidigt ueber soviel Unruhe in ihrem Revier.

Mile 78: Um sechs Uhr brechen wir auf. Die Sonne blinzelt harmlos hinter den Bergkuppen hervor. Mannshohe Kakteen bluehen am Wegesrand, stachelige Waechter der Wildnis.

Mile 89: Der Anstieg zieht sich seit Stunden, in Endlosspiralen windet sich der Trail den Berg hinauf. Die Sonne brennt erbarmungslos. Nach zwei Meilen endlich der erste kleine Schattenfleck. Erschoepft lasse ich mich fallen und warte auf Bea. Aber Bea kommt nicht. Es vergeht eine halbe Stunde. Eine Dreiviertelstunde. Der Trail ist menschenleer. Ich werde langsam unruhig.

Wenig spaeter kommt ein Pärchen aus New Hampshire ums Eck. Ja, sie haben Bea gesehen, drei Meilen weiter unten in einer kleinen Talsenke ist sie vom Trail abgebogen und einem trockenen Flussbett gefolgt. “Ich dachte, sie muss mal, sonst haette ich ihr nachgerufen…” entschuldigt sich Cathy. Ohoh. Bea irgendwo allein, verlaufen in der Wueste. Es ist bruetend heiss, und ich habe keine Ahnung wieviel Wasser sie noch hat. Ich krame Telefon, Wasser und Muesliriegel aus meinem Rucksack, den Rest lasse ich stehen. Jared lehnt ein Schild an meinen Rucksack “please leave here, will pick up later.” Er fuellt mir noch mehr Wasser ab und gibt mir seine Telefonnummer: “Ruf an, wenn ihr Hilfe braucht, ok?” Ok. Im Laufschritt eile ich los. Ich komme keine hundert Meter weit, da taucht Bea hinter einer Kurve auf – voellig fertig, aber wohlauf….

Meile 91,5: Hiker-sit-in am water cache: zehn, vielleicht fuenfzehn, muede und dreckige Gestalten sitzen im Schatten einiger grosser Buesche die Mittagshitze aus. Die Neuigkeit von Beas Verschwinden ist uns vorausgeeilt, und alle wollen Details hoeren. “Ende gut, alles gut.” sagt Cathy. “Und ich wuerde sagen, du hast deinen Trailname weg, Bea. Ab jetzt heisst du “Detour”. Frueher oder spaeter wird jeder PCT Hiker nur noch mit seinem Trailname gerufen. Niemand sucht sich seinen Namen selber aus, du wirst  immer von einem anderen Wanderer getauft. Nur fuenf Minuten spaeter steht auch mein Name fest. “Hej lapdog, whats up”, ruft Tenesse-Boy hinter einem Busch hervor. Schosshuendchen??? Ja klar, ich die Kleinste, werde  wohl auf ewig diejenige sein, die beim trampen in ueberfuellten Autos anderen auf den Schoss sitzen muss. Ich ergebe mich in meinen Namen, noch nicht ganz sicher, ob er mir gefaellt…

Meile 98: Es ist stockfinster, nur die hellen Punkte unserer Stirnlampen taenzeln durch die Nacht. Der trail windetsich genauso langwierig den Berg hinunter, wie er ihn hinaufgekrochen ist. Und nirgends ein Platz zum campen. Uns bleibt nichts anderes uebrig, als bis ins Tal zu laufen. In fuenf Meilen, bei Barrel Springs einer kleinen Quelle, gibt es eine grosse Wiese, die versuchen wir zu erreichen. Wir schrecken Unmengen kleiner, flauschiger Voegel auf, die es sich mitten auf dem Trail bequem gemacht haben. Kaeuzchen, oder Uhus, vielleicht. Einmal starrt mich ein riesig grosses Tier aus dem Gebuesch an. Ich bin ganz sicher, es war ein Puma. Oder zumindest ein Coyote. Den Rest des Weges singen wir lautstark alles was uns einfaellt – “Von den blauen Bergen kommen wir…” ueber “Das wandern ist des Muellers Lust” bis zum altbewaehrten “Highway to hell.”

Meile 101: Barrel Springs. Geschafft. Wir sind zu Tode erschoepft, aber stolz wie Oskar. Auf der Wiese stehen bereits mehrere Zelte, und doch ist alles still:  ”Hikers midnight”, acht Uhr abends, ist lange vorbei. Wir schlafen unter freiem Himmel, “cowboy camping” nennen sie das hier. Die Nacht ist klar und warm, ich zaehle Sterne zum einschlafen.

Acht Uhr morgens. Fast alle haben das Camp schon verlassen, andere machen sich zum Aufbruch bereit. Verschlafen blinzle ich aus meinem Schlafsack. “Gedding ready to leave, duuude?” Tenesse ist natuerlichh auch da, war ja klar. “Yeah man”, ruft der andere zurueck. “What’s the rush maan, we aaall gonna dy anyway.” Ich stoehne. Na Bravo. Da bin ich 24 Meilen an einem Tag gelaufen, haette fast meine Freundin an die Wueste verloren, waere beinahe einem puma-artigen Monster zum Opfer gefallen und habe mich mit schmerzenden Fuessen und letzter Kraft tapfer durch die einsame  Nacht gekaempft, nur um dann von einem Rotzjungen aus Tenesse zu hoeren, dass wir sowieso bald alle tot sind…?

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Schrittzaehler: Pacific Crest Trail, Kapitel 3: Loosing weight.

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 27. April 2014

IMG_201404269857Mile 22: “Are you girls having a yard sale?” Campsite Lake Morena. Auf der betonierten Flaeche vor den Waschraeumen haben wir den Inhalt unserer Rucksaecke ausgebreitet. Einige erfahrenere long-distance-hiker sammeln sich um uns (wir verschenken Essen) und wir ernten jede Menge Gelaechter fuer das, was wir die letzten zwei Tage durch die Wueste geschleppt haben. Die meisten der Anwesenden haben die 22 Meilen bis Lake Morena an einem Tag gemacht. Ich bin zutiefst frustriert. Von der Hitze gelaeutert machen wir Inventur: 1.) Dinge, die wir vor 48 Stunden noch fuer absolut lebensnotwendig hielten und uns jetzt voellig sinnfrei und wertlos erscheinen. Diese wandern direkt in den Muell. (Deoroller, Rasierer, Shampoo, eine Vorratspackung Streichhoelzer,…die Liste ist lang). 2.) Dinge, die wir vor 48 Stunden noch fuer absolut lebensnotwendig hielten und uns jetzt voellig sinnfrei erscheinen, fuer die wir aber viel Geld ausgegeben haben. Diese werden wir in zwei Tagen vom Post Office in Mount Laguna zu Beas Freundin Tina, unserem persoenlichen trail angel, nach Colorado Springs schicken und dort Ende September wieder abholen. (Kleidung zum Wechseln, ein Fernrohr, ein GPS-Geraet, eine Brille…die Liste ist lang). 3) Dinge, die wir nach wie vor fuer lebensnotwendig halten und bereit sind, weiterhin mit uns herumzutragen. (Zelt, Schlafsack, Isomatte, Zahnbürste,…die Liste ist kurz.)

Mile 26: Barrel Oaks. Kurz bevor der trail den Highway 74 quert treffen wir Trailangel Cat, Spitzname “Savagegirl”, frischgebackene Rentnerin. Sie faehrt einen alten, klapprigen Van, den sie zum Begleitfahrzeug fuer eine Gruppe von PCT-Through-Hikers, dem “Team Turtle”, umfunktioniert hat. Der Van ist bis oben vollgeladen mit Schaetzen:  eisgekuehlte Getraenke, Obst und andere frische Lebensmittel sowie eine “bounce box” mit Ersatzkleidung und anderen persoenlichen Dingen fuer jedes “Team Turtle” Mitglied. Ausserdem an Bord: eine Waage. Wir stellen uns der Wahrheit. Beas Rucksack: 21,5 Kilo. Mein Rucksack: 20 Kilo. Cat schuettelt nur stumm den Kopf. Im ersten Moment fuehle ich mich wie der groesste Trottel auf dem Planet, aber dann siegt der Groessenwahn und ich rufe trotzig: “Verdammt, ich habe bei 38 Grad im Schatten die Haelfte meines Koerpergewichts auf dem Ruecken getragen und es bis hierher geschafft. Ich gehe nach Kanada und nichts hält mich auf!” Trotzdem willige ich demuetig ein, als Cat vorschlaegt, fuer ein bisschen Spritgeld unser ueberfluessiges Gepaeck bis zum Post Office in Mount Laguna zu transportieren…

Mile 39: Es sind nur noch zwei Meilen bis Mount Laguna, hinter uns liegen zahlreiche Hoehenmeter, die Landschaft hat sich dramatisch veraendert: wir laufen durch einen dichten Wald, an einem kleinen Bach fuellen wir unsere Wasservorraete auf. Eine leichte Brise schenkt Kuehlung.

Mile 42: Mount Laguna besteht aus einem Restaurant, einem Lebensmittelladen und einem Postoffice. Und natuerlich dem “Outfitter”: Dave Suppers Outdoor-Shop ist eine feste Institution in der PCT Community. Jeder Zentimeter Ladenfläche ist vollgestopft mit den neuesten Ultralight-Ausruestungswundern – man kann hier eine Menge Geld loswerden, aber auch eine Menge Gewicht. Dave weiss alles ueber den PCT und die Kunst des  ”ultralight-hiking”. Bea tauscht ihren 2,9 Kilo schweren gut gepolsterten  deuter-Rucksack gegen ein 1,5 Kilo leichteres Modell ein. Ich bin zufrieden mit meiner Ausruestung und kaufe Raeucherlachs. Dann packen wir ein Paket mit “ueberfluessigen Wertgegenstaenden”, das Dave per Fedex zu Tina nach Colorado Springs schickt. Neues Packgewicht Bea: 10 Kilo. Neues Packgewicht Lena: 11 Kilo. Auf einem Gatter einige Kilometer weiter klebt ein Sticker: “Less weight is more fun.”

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Schrittzaehler: Pacific Crest Trail, Kapitel 2: The heat

von WanderLena, Kategorie Allgemein am 27. April 2014

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Mile 0: Endlich angekommen. Erinnerungsfotos am PCT Monument, direkt an der mexikanischen Grenze. Hinter uns der Grenzzaun. Es ist jetzt 10 Uhr, die Sonne sticht.Wir werden beobachtet: Ein Polizeiwagen parkt auf der staubigen Jeepstrasse. Ich ziehe meinen Rucksack auf. Zuversichtlich: Ja ok, geht – wir hatten keine Gelegenheit, unser Gepaeck zu wiegen. Trotzdem, nicht angenehm, aber machbar. Dann die Wasservoraete: Zwei-Liter-Trinkblase, Vier-Liter-Wassersack. Ich schwanke. Ohooh….

Mile 3: Ich werde niemals in Kanada ankommen. Nie, nie, nie. Mit etwas Glück gelingt es mir vielleicht, mich zu diesem Felsen hundert Meter weiter zu schleppen, dort im Schatten werde ich dann leise vor mich hinweinen, 911 anrufen und auf Rettung warten. Hier im Grenzland wuetet die Anti-Sintflut, alles ist trocken: die Luft, der Boden, die knochigen Straeucher. Eine unbarmherzige, erdrueckende Hitze brodelt ueber den sandigen Huegeln. Mein Gehirn kocht. Ein Hiker aus San Diego laueft schnellen Schritts an uns vorbei und bemerkt, was fuer ein Glueck wir doch haetten, dass es so ungewoehnlich kuehl fuer die Jahreszeit sei… Ueber die Schulter ruft er  zurueck: “your backpacks look quite heavy…”

Mile 6: Habe ein neues physikalisches Gesetz entdeckt: Mit steigender Aussentemperatur erhoeht sich auch die Schwerkraft. Das Gewicht von Wasser steigt sogar leicht ueberproportional.

Mile 8: Wir teilen uns einen Schattenplatz mit einem weisshaarigen, schon recht betagten Wanderer. Sein trailname ist “Nuts” und er sieht mindestens genauso mitgenommen aus wie wir. “Your backbacks look  even heavier than mine” sagt er muede. Dann holt er ein paar Kopien mit Foto von giftigen Pflanzen aus seinem Rucksack. “This  weighs next to nothing. Unfortunately, my backpack is full of ‘weighs-next-to-nothings”…

Mile 11: 19:00 Uhr. Vollmond. Tausend Sterne. Sobald die Sonne im Sand versinkt, wird es kalt hier. Wir haben unsere Zelte direkt neben dem trail aufgeschlagen. Ich liege in meinem Schlafsack und spuere dem Tag nach. Bevor ich einschlafe will…ich……nur noch………kurz…….diese..ähhh……

Mile 14: Kaum ist es draussen hell, sind wir auf den Beinen. Drei Meilen in weniger als einer Stunde. Heute schlagen wir die Sonne und nicht umgekehrt.

Mile 17: 11:00 Uhr. Wir suchen Schutz in einer winzigen Hoehle und beobachten zwei Hiker, die sich uns im Schneckentempo naehern. Die zwei schleppen ganz eindeutig noch mehr unnuetzes Zeug mit sich herum wie wir. Schadenfreude kann so wunderbar sein. “Hey”, ruft Bea “Warum in aller Welt traegst du diese Riesenmesser mit dir rum?” Der mit dem kiloschweren Ninja-Dolch am Guertel zuckt nur mit den Schultern: “You know – we are from Ohio…” Lachend laden wir sie in unseren engen Schutzbunker ein, doch der mit dem Bart ziert sich: “Wir stinken nach Schweiss.” Wir auch. Und ausserdem haben wir unsere Schuhe ausgezogen. Kaum sitzen sie, eroeffnen sie ihre Schimpftirade. Zuhause in Ohio kursierten die wildesten Geschichten ueber den Pacific Crest Trail, Pumas, Baeren und Klapperschlangen wuerden in Horden ueber die Wanderer herfallen, hatte man sie gewarnt. “Meine Mutter kuesste mich zum Abschied und sagte ‘Sohn, unterschreib das’, und es war eine Lebensversicherung” empoert sich der Bart. Wo doch die Hillbillies aus Hillbilly-Ohio gar keine Ahnung von der Wildnis haetten, denn dort gaebe es nur Mais und sonst nichts. Das gefaehrlichste in Ohio seien…Autos… und ueberhaupt, koenne man doch froh sein, diesem finsteren, mittelalterlichen Ort entflohen zu sein  - T-Shirts mit dem Aufdruck “I escaped Ohio”, dessen sei man sich sicher, waeren DER Verkaufsschlager. “So schaffen wir es nie nach Kanada.” seufzt der mit dem Messer. Und fuegt kleinlaut hinzu: “Ich habe sogar noch eine Axt dabei.” Wir entschliessen uns zum Aufbruch.

Mile 19: Leuchtendrote und gelbe Blumen saeumen den Trail. Salamander aalen sich in der Sonne. Wir schrecken einen blauschimmernden Vogel auf. Wandern in der Wueste ist wie haute-couture. Der Preis liegt weit ueber der Schmerzgrenze, aber es ist bezaubernd schön.

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Schrittzaehler: Pacific Crest Trail, Kapitel 1: Going to Campo…?

von WanderLena, Kategorie Allgemein, Erlebnisse, Trekking, Wandern am 17. April 2014

Foto 1-1“Entschuldigung, aber ich muss euch zwei das jetzt einfach fragen…” Unsicher steht er da. Schlaksig, sonnengebleichtes Haar, braungebrannt, Typ Naturbursche. Seit wir unsere vollgestopften Trekkingrucksaecke vor 20 Minuten umstaendlich auf eine Bank in der Denver Union Station gewuchtet haben, hat er immer wieder vom anderen Ende des Warteraums heruebergeschaut. Jetzt gibt er sich einen Ruck und zeigt auf unser Sperrgepaeck: “Ihr wartet doch auch auf den Zug nach San Francisco. Wollt ihr von dort etwa weiter nach Campo…?” Ich muss grinsen, nicke. Entlarvt. Campo ist eine unbedeutende, schmucklose Kleinstadt im Sueden Kaliforniens, an der Grenze zu Mexiko und mehrere 1000 Meilen von Denver entfernt. Eigentlich gibt es nur einen einzigen Grund, dort hinzufahren. “Pacific Crest Trail!” ruft der grosse Blonde begeistert und strahlt bis ueber beide Ohren. Bea und ich nicken im Chor. Wer vom “trailhead” in Campo aus dem “PCT” zu Fuss durch Kalifornien, Oregon und Washington bis nach Mannings Park folgt, quert die USA einmal der Laenge nach. Bea und ich haben ein halbes Jahr Zeit fuer die Strecke und noch keine Ahnung, ob wir jemals an der kanadischen Grenze ankommen. Unser neuer Bekannter hat es geschafft: vor zwei Jahren ist er die kompletten 2600 Meilen gelaufen, erzaehlt er uns begeistert. “Dieser trip wird euer Leben veraendern. Aber,…” kritisch beaeugt er unsere nagelneuen Rucksäcke. “…bevor ihr loslauft, muesst ihr mindestens die Haelfte von dem ganzen Zeug da drin wegschmeißen.”

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Tour – International Danubien – Der Film

von Daniel Weibrodt, Kategorie Allgemein am 12. Februar 2014

Die Tour International Danubien, die TID, ist die längste und härteste Wasserwanderfahrt der Welt. Was 1956 als eine kleine Teilbefahrung begann, wuchs im Laufe der Jahre, seit 1969 beginnt die TID in Ingolstadt, und seit 2009 endet sie nach mehr als 10 Wochen und 2.516 Kilometern in Sfântu Gheorghe am Schwarzen Meer.

Die politische Bedeutung der TID ist groß und das wichtigste Ziel der TID ist das gegenseitige Kennenlernen und die Akzeptanz des Lebens und der Kultur aller Teilnehmer, ungeachtet aller politischen, kulturellen und religiösen Unterschiede. Es sollen Freundschaften geknüpft und die Freundschaft und der Frieden zwischen den Völkern insbesondere der Donauländer gefördert werden.

Im Sommer 2013, vom 28. Juni bis zum 4. September, habe ich die TID von Erlau/D bis ans Schwarze Meer mit der Kamera begleitet und Interviews mit einigen der Teilnehmer geführt, die die Gesamtstrecke gefahren sind.

Das Ziel ist ein ca. 1,5-stündiger Dokumentarfilm, der die TID, die Anstrengungen und die Herausforderungen für die Teilnehmer, die Landschaft und die Natur der Donau und den großen Reiz dieser ganz besonderen Reise anschaulich und sinnlich erfahrbar machen soll, ein Film, der zeigen möchte, was es bedeutet, sich auf eine mehr als zweimonatige Reise einzulassen, die ihren Teilnehmern alles abverlangt und sie dafür mit unvergesslichen Eindrücken belohnt.

Mehr unter: http://www.visionbakery.com/tour-international-danubien und www.tid-derfilm.deTID-Fahne 2

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Skitour im Villgratental auf die Kärlsspitze

von go-vertical, Kategorie Natur, Wandern am 7. Januar 2013

Nachdem hier alle Blogeinträge rund um Sommer Outdoor Aktivitäten geschrieben wurde, darf ich euch eine wunderschöne Skitour im Villgratental in Tirol vorstellen. Das Villgratental liegt ca 20km von Lienz in Osttirol entfernt und bietet eine Vielzahl an guten Skitouren an.

Was kann es an Neujahr besseres geben als perfekte Schneeverhältnisse und eine wunderschönes Wetter. Nun die Tour ging los von der Ortschaft Kalkstein zum Kärlsspitze auf 2612m. Über die Nord Ost Flanke erlebten wir einen Pulverschnee vom feinsten!! Mit unseren fetten Skieren hatten wir natürlich die Tour doppelt genossen und schwebten in Richtung Tal. Anstatt lange zu schreiben lassen wir lieber Bilder sprechen. ;-)

Aufstieg

Aufstieg

Aufstiegsspur

Aufstiegsspur

Aufstiegsspur 2

Aufstiegsspur

Aufstieg 4

Aufstiegsspur

viele Spass beim Skitouren gehen wünschen euch die Bergführer von Go-Vertical

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Grönland Tag 1

von Thomas Wenning, Kategorie Allgemein am 6. Juli 2011

Nach der Anreise mit Zwischenaufenthalt in Kopenhagen, ging die Tour von Kopenhagen mit Air Greenland über Kangerlussuaq (Flugzeit 4:30 Stunden) bis nach Ilulissat.

© Thomas Wenning

© Thomas Wenning

Das grönländische Wort „Ilulissat“ bedeutet Eisberge. Der Ort, malerisch an der Mündung des 56 km lange Eisfjords gelegen, ist voller riesiger Eisberge von dem aktivsten Gletscher der nördlichen Hemisphäre, Sermeq Kujalleq. Die groößten Eisberge bleiben in 225 bis 250 m Wassertiefe hängen und kommen erst frei, wenn Hochwasser einsetzt oder wenn sie so stark erodiert sind, dass sich ihr Gleichgewicht verschiebt. Der Ilulissat Eisfjord zählt seit 2004 zum Weltnaturerbe der UNESCO.Als Unterkunft für die nächsten 6 Tage bin ich im Artic Hotel untergebracht. Im Sommer von Juni bis September bietet das Restaurant Ulo im Artic Hotel verschiene Themenbuffets an. So konnte ich bereits am Abend des ersten Tages auf Grönland typische Speisen, wie Wal, Renntier, Heilbut, .. essen.

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Das Abenteuer Grönland

von Thomas Wenning, Kategorie Trekking am 18. Juni 2011

© Thomas Wenning

© Thomas Wenning

Auch in diesem Jahr werde ich wieder nach Grönland aufbrechen, um an einigen Trekkingtouren, sowie an einem Orientierungslauf in Ilulissat teilnehmen.

© Thomas Wenning

© Thomas Wenning

Ich werde jetzt regelmäßig über die Tour hier im Blog berichten.

Infos zum Orientierungslauf: http://www.northatlantic-o.co.cc/

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Mit dem Liegerad von Neu Delhi nach Kathmandu

von Admin, Kategorie Allgemein am 16. November 2010

35 Grad um fuenf Uhr morgens. Nach zehn Stunden Flug mit viel zu wenig Beinfreiheit, spuckt uns der Flieger als lebendige Zombies in Neu Delhi aus. Dreck, Staub und ein arg gewoehnungsbeduerftiger Verkehr sind der erste Eindruck. Jeder faehrt wie und wo er kann. In Deutschland gaebe es permanent Meldungen von Geisterfahrern. Wir sind in Indien!

Die lebendige und geschaeftstuechtige Hauptstadt verlassen wir nach drei Tagen der Aklimatisierung in Richtung Taj Mahal. Der Verkehr in Delhi hat es in sich. Hier hat der lauteste und groesste Vorfahrt! Schnell merken wir dass unsere Klingeln viel zu leise sind. Sich nur nicht umdrehen heisst von nun an die Devise. Denn sieht man erst einmal was hinter einem los ist, wird verleitet sich in den naechsten Bus zu setzen und das Radl zu verkaufen. Brav wie wir Deutschen sind fahren wir hintereinander. Eva vorne, dahinter ich. Hinter mir bildet sich eine Traube aus Rikschas, Motorradfahrern und TukTuks, denn ein jeder will mich interviewen. Alle fragen das gleich: “Where you come from?” “Where do you go?” etc. und vor allem “is it your girl friend or wife?”

Agra, die Stadt welche das Taj Mahal beherbergt, versinkt im Dreck und Chaos. Infrastruktur fehl am Platze. Bei Regen bilden sich reissende Fluesse, welche alles mitnehmen was auf dem Boden liegt. Dabei bleibt die Stadt in Bewegung waehrend wir versuchen unsere Fuesse vor dem Wasser zu bewahren. Umso mehr verwundert die Sauberkeit am Taj Mahal, einem beeindruckenden Bauwerk der Liebe und des Groessenwahns. Die Muellberge stinkenden Fluesse und der nervige Verkehr,welche uns von Neu Delhi bis Agra begleiten machen diesen Teil Indiens nicht zum Radfahrerland. Also rein ins Taxi, Raeder aufs Dach und ab in den Norden Indiens, ins Nainital.
Ein See, drumherum Berge, Ruhe – fast wie daheim! Hier entspannen wir drei
Tage, bevor wir dann nach Nepal weiterradeln wollen.

Nepal empfaengt uns mit freundlichen Grenzbeamten und Kindern, welche sich einen Spass daraus machen Touristen um Rupie und Schokolade anzubetteln. Auf dem Mahendra Highway rollen wir durch das flache westliche Terai in Richtung Butwal. Die Hitze und der grobe Asphalt machen es uns nicht leicht. Da kommt derBardia National Park mit seinen wilden Tieren gerade recht. Einen Ruhetag goennen wir uns um durchs hohe Gras zu wandern, sich von den Guides die Tigerspuren zeigen zu lassen und doch den ganzen Tag ueber kein wildes Tier zu sehen. Doch am Ende des Tages, kurz vor Sonnenuntergang und Parkausgang stehen wir urploetzlich zwischen Elefantenherde rechts von uns und Elefantenbulle zu unserer Linken. So schleichen, rennen und huepfen wir, immer beobachtet vom Bullen, mit unseren Fuehrern wie die Gazellen durchs hohe Gras. Dabei stellt sich die Frage wer hier mehr Angst hat, wir oder die Guides?! In der Unterkunft wird abends heftig uebertrieben was wir fuer Helden waren! Von Butwal aus geht es erstmalig fuer uns in den Himalaya nach Pokhara. Einem Touristenort von welchem es nicht nur einen traumhaften Blick auf den Annapurna I (7937m) gibt, sondern der Besucher allen Schnick Schnack findet den er moechte. Wir geniessen es mal keinen Reis oder ein Ueberraschungsessen zu bekommen und vorallem, abends nicht die Attraktion fuer das ganze Dorf zu sein. Der Blick auf die hohen weissen Gipfel setzt Gluecksgefuehle frei. So haben wir uns dieses Land vorgestellt. Die bislang fehlenden Tempel finden wir in Gorkha und Manakamana, wo so manch eine Ziege oder Huhn ihr Leben verlor. Geopfert wird in Nepal fuer die Goette gerne und ausgiebig.

Nach einem mehrtaegigen Aufenthalt in Kathmandu, verlassen wir ein Land, indem die Kinder zur Begruessung” bye bye” oder “hello Touri” rufen, die Menschen herzlich sind und es mindestens taeglich eine Stunde keinen Strom gibt. Die Reise geht weiter. Thailand wir kommen!

www.ferneseher.de

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