Schrittzaehler. Pacific Crest Trail, Kapitel 27:The trail, deserted.

Geschrieben von WanderLena am 11. März 2015 | Abgelegt unter Allgemein

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Meile 1612: Wir haben das morgendliche Update des fire reports abgewartet und mit dem Ranger gesprochen. Danach haben wir uns entschieden: Wir gehen am Etna Summit, 10 Meilen nördlich von Etna,  zurück auf den trail. Bis zu dem kleinen Ort Seiad Valley kommen wir auf jeden Fall durch. Wie es danach weitergeht, wissen wir noch nicht. Wenn die Brände zu dicht am trail sind, müssen wir die 60 Meilen von Seiad Valley bis Ashland an der Straße entlanglaufen. Am  Etna Summit angekommen, können wir mehrere Brandherde ausmachen.

Meile 1620: „Spring schon rein!“ Mr. JT steht am Ufer des Fisher Lake und starrt angewidert ins Wasser. Seine zwei Freunde sind schon bis zur Mitte des Sees geschwommen. „Salamander“ schnaubt Mr. JT und schüttelt sich „Überall“. Neugierig beugen wir uns übers Seeufer: Knapp unter der Wasseroberfläche tummeln sich hunderte, winzige pechschwarze Tierchen. Ich strecke meine Hand  ins Wasser und verursache eine Massenpanik.

Meile 1622: Die Sonne trägt immer noch einen dichten Rauchschleier. Steht ihr – sie brennt nämlich nicht so unbarmherzig wie sonst. Zufrieden summe ich vor mich hin. Der trail ist gesäumt von dutzenden blauen und gelben Wildblumen.

Meile 1632: Mittags. Das Licht ist gedämpft. Als ob jemand die Jalousien heruntergelassen hätte. Am Wegesrand steht ein Reh und glotzt mich verwundert an. Ansonsten ist der trail wie ausgestorben.

Meile 1635: Nachmittags erreichen wir Paradise Lake und füllen unsere Trinkflaschen. Eigenartig, wie grün und undurchdringlich der See daliegt. Ein paar schläfrige Wellen schwappen heran, dann ist alles  wieder still. Milchig-grauer Dunst hängt über dem Wasser. Am gegenüberliegenden Ufer erahnen wir schemenhaft die Umrisse eines felsigen Abhangs. Ein mächtiger Zauberer ist kurz vor uns hier durchgekommen, fantasiere ich, und hat den See in seinen Dornröschenschlaf versetzt.

Meile 1662:  „Das ist noch gar nichts…“ winkt der dicke Trucker im Seiad Valley Cafe ab. „Letztes Jahr war hier so viel Rauch, da konntest du nicht bis auf die andere Straßenseite schauen.“

In dem kleinen Ort Seiad Valley treffen wir  auf den ersten „South Bounder“:  Bob wandert von Kanada nach Mexiko. „Keine Feuer auf dem trail zwischen hier und Ashland“ lautet sein Lagebericht. Auf der abgewetzten Hollywoodschaukel des Campingplatzes lümmelt auch Hot Pants. Er ist „North Bounder“ – normalerweise. „Ich bin von Seiad Valley nach Ashland getrampt, wegen den Feuern. Aber als ich dann dort war, fühlte ich mich total schlecht, weil ich eine Etappe ausgelassen habe.  Also bin ich einfach von Ashland die 60 Meilen südwärts bis hierher zurückgelaufen…“ Morgen will er zurück nach Ashland trampen und dann weiter nordwärts wandern. Eins weiß er aber noch nicht: Die Autostraße, die aus Seyad Valley herausführt, ist inzwischen für den Durchgangsverkehr gesperrt – fire season. Ihm fällt was ein, da bin ich sicher.

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